Opferrolle

Befreie dich aus der Opferrolle

„Immer passiert mir sowas!“, „Womit habe ich das verdient?!“, „Das Leben ist so unfair“, „Wenn XY nicht so gemein wäre, dann würde es mir auch besser gehen“, „Das war schon immer so, das kann ich auch nicht ändern“, „Ich bin nicht schuld, XY hat etwas falsch gemacht“. Kennst du solche Gedanken? Hallo Opferrolle! Alles ist zu viel, eine Situation scheint ausweglos, wir fühlen uns hilflos. Und wie soll man aus diesem Loch herauskommen, wenn die ganze Welt einfach gegen einen ist? Glaub mir, mit diesen Gedanken bist du nicht allein.

Ja, die Welt kann manchmal ziemlich hart sein und ungerecht und es gibt Momente, da scheint sich das Universum und alle um uns herum gegen uns verschworen zu haben. 

Oder seit Jahren passieren uns immer wieder die gleichen Stories. Wir geraten immer wieder in Situationen, in denen wir gemobbt werden, verlieben uns immer wieder in den Falschen oder haben immer wieder die gleichen Konflikte mit der Familie. Wir fühlen uns als Opfer der Umstände. Wenn sich die anderen anders verhalten würden, dann hätten wir dieses Problem nicht. Dann würde es uns besser gehen. Wenn wir mehr Geld hätten, müssten wir nicht mehr den Job machen, der uns so unglücklich macht. Wenn unsere Eltern uns anders erzogen hätten oder besser behandelt hätten, dann hätten wir jetzt nicht diese Selbstzweifel, die uns so unglücklich machen. Und warum geben uns die anderen immer die Schuld? Scheinbar machen wir ständig alles falsch. Wir stecken fest, fühlen uns als Opfer anderer oder der Umstände.

Warum uns die Opferrolle nicht gut tut

In dem Moment, wo wir anderen die Schuld an unserer Lage geben, geben wir ihnen die Macht über unser Leben. Wir machen uns zur Zielscheibe, zum Opfer ihres Verhaltens. Wir geben unsere Verantwortung ab und haben vermeintlich keinen Einfluss mehr darauf, wie unser Leben verläuft.

So fangen wir an, uns hilflos zu fühlen, ungerecht behandelt und machtlos. Wenn die Umstände nicht zu ändern sind und die Menschen, die uns weh tun, ihr Verhalten nicht ändern, dann haben wir als Opfer keine Chance, etwas zu verbessern. Dann fühlen wir uns schlecht, haben negative und belastende Gedanken und sind gefangen in einem Teufelskreis.

Die Vorteile, sich als Opfer zu fühlen

Sich als Opfer zu fühlen ist aber nicht immer nur negativ. Kurzfristig hat es sogar Vorteile für uns, wenn wir in der Opferrolle bleiben. In dem Moment, in dem wir anderen oder den Umständen die Schuld an unserer Misere geben, können wir uns zurücklehnen und müssen nicht mehr die Verantwortung für unser Unglück und unser Leid übernehmen. Das ist natürlich erstmal sehr bequem.

Zum anderen ist es häufig so, dass uns die Opferrolle Mitgefühl und Trost von anderen beschert. Wir bekommen endlich die Aufmerksamkeit, die wir uns doch so sehr wünschen. Wir werden bemitleidet, man hört uns zu und wenn es gut läuft, dann finden wir in unserer Rolle auch noch Verbündete, denen es genauso geht. So können wir solidarisch unsere negativen Gedanken herunterbeten. Wir lecken gemeinsam unsere Wunden, schimpfen auf die anderen und das Leben und sehen uns selbst als die Guten, die ja niemandem etwas getan haben und es gar nicht verdient haben, so schlecht behandelt zu werden. Ein tröstlicher Gedanke. Aber überhaupt nicht hilfreich- zumindest langfristig.

Wieder Verantwortung übernehmen

Wir können es nicht verhindern, dass wir Opfer von Beleidigungen, Verletzungen und Enttäuschungen werden. Doch wir haben einen Einfluss darauf, wie wir auf diese schmerzlichen Erfahrungen reagieren. Wir können uns den Tag verhageln lassen, die Situation immer und immer wieder analysieren und uns deshalb schlecht fühlen und mit unserem Schicksal hadern. Wir können uns aber auch dazu entscheiden, wieder die Verantwortung für unser Leben zu übernehmen und selbst bestimmen, wie wir mit bestimmten Situationen umgehen, wie wir reagieren und wie sehr und wie lange wir leiden möchten. Niemand und nichts kann uns schlechte Gefühle machen, wenn wir uns dazu entscheiden, das nicht zuzulassen.

5 Tipps, wie du dich aus der Opferrolle befreien kannst

1) Erkenne, dass du dich als Opfer siehst

Manchmal ist uns gar nicht bewusst, dass wir uns in die Opferrolle begeben. Wir sind so sehr davon überzeugt, dass es genau so und nicht anders ist, dass wir nicht den Blick dafür haben, dass wir die Situation auch ganz anderes betrachten könnten. Deshalb ist der erste Schritt, zu erkennen, wann du dich selbst zum Opfer machst.

2) Übernimm die Verantwortung für deine Gefühle

Der nächste wichtige Schritt ist, dass du wieder die Verantwortung für dein Leben und vor allem für deine Gefühle übernimmst. Gib anderen nicht die Macht über dich. Du allein bestimmst, wie du dich fühlst und wie du auf die Situation reagierst. Wenn du dich deinen Gefühlen hilflos ausgeliefert fühlst, dann wirst du dich weiterhin als Opfer sehen. Mache dir deshalb ganz bewusst, wieviel Einfluss du in Wirklichkeit hast.

3) Begegne dir mit Selbstliebe

Ein geringes Selbstwertgefühl und mangelnde Selbstliebe führen häufig dazu, dass wir schneller in die Opferrolle geraten. Wenn wir uns selbst ablehnen und für nicht wertvoll erachten, dann denken wir schneller, dass die anderen ja vielleicht recht haben oder, dass wir es nicht anders verdient haben. Seelisches Leid in Form von Kränkungen, Resignation und Verbitterung fügen wir uns meistens selbst zu. Lerne deshalb, mit deinen negativen Gefühlen umzugehen und dir selbst mitfühlend und mit Verständnis zu begegnen.

4) Die Perspektive wechseln

Wenn uns jemand schlecht oder ungerecht behandelt, dann ist es ein Leichtes, dem anderen die Schuld an unseren schlechten Gefühlen zu geben und ihn als schlechten Menschen abzustempeln. Um uns besser zu fühlen hilft es uns aber, die Perspektive zu wechseln und uns zu überlegen, warum der andere so gehandelt hat. Vielleicht hatte er einen schlechten Tag, vielleicht hat er selbst große Probleme, mit denen er gerade überfordert ist. Vielleicht wollte uns die Person aber auch absichtlich weh tun. Zu versuchen, die Motive des anderen zu verstehen, heißt nicht, dass wir sein Verhalten rechtfertigen oder gar entschuldigen. Aber häufig lässt es uns deutlich sehen, dass es gar nicht an uns lag. Dass das verletzende Verhalten viel mehr mit unserem Gegenüber zu tun hat und mehr über ihn aussagt als über uns. Wenn wir die Situation so betrachten, macht uns das unabhängiger von der Meinung anderer und hilft uns, nicht in die Opferrolle zu fallen.

5) Das Leben so annehmen, wie es ist

Das Leben ist nicht immer einfach und manche Herausforderungen verlangen uns einiges ab. Manche Menschen scheinen ein glücklicheres Händchen zu haben, andere hingegen scheinen jeden Schicksalsschlag magisch anzuziehen. Fest steht jedoch, dass jeder Mensch in seinem Leben mit traurigen Ereignissen, Schicksalsschlägen, Verletzungen und Rückschlägen umgehen muss. Wir sind also nicht allein. Jeden wird es früher oder später einmal treffen. Wenn wir das Leben so annehmen, wie es nun mal ist, mit all seinen Höhen und Tiefen, dann fühlen wir uns weniger als Opfer, sondern mehr als Teil eines großen Ganzen.

Lass dich inspirieren

Sicher kennst auch du Menschen, die es viel schlechter getroffen hat. Menschen, die mit einer Behinderung auf die Welt gekommen sind, die nach einem Unfall körperlich entstellt sind, die eine schwere Kindheit durchmachen mussten, die an Krebs erkranken oder geliebte Menschen verlieren. Menschen, die allen Grund haben, sich als Opfer zu fühlen und mit dem Leben zu hadern. Doch stattdessen beschließen diese Menschen, ihr Schicksal anzunehmen und ihr Leben zu 100% zu nutzen und zu leben. Sie stecken sich große Ziele und erreichen diese. Sie berühren und inspirieren andere Menschen. Sie lassen keine Ausreden gelten, geben niemandem die Schuld an ihrer Lage und übernehmen die Verantwortung für ihr Leben. Sie nutzen ihre Krise, um gestärkt daraus hervorzugehen, befreien sich aus der Opferrolle und gestalten ihr Glück, ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden selbst. Und das kannst auch DU!

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