Inneres Kind

Dein inneres Kind braucht deine Liebe

Kennst du das, wenn es Situationen in deinem Leben gibt, in denen du immer wieder auf eine bestimmte Art und Weise reagierst? Oder Momente, in denen dich das Verhalten anderer triggert und du nicht weißt, warum? Dass du manchmal verletzt bist, obwohl der andere es gar nicht böse gemeint hat? Und fühlst du dich manchmal einsam, verlassen oder auch trotzig und beleidigt und von aller Welt unverstanden?
Vielleicht hast du schon einmal davon gehört, dass wir als Erwachsene noch immer unsere Kindheit und unsere früheren Erfahrungen ins uns tragen, unser inneres Kind. Je nachdem, wie wir unsere Kindheit erlebt haben, welche Eindrücke und Erfahrungen wir gesammelt haben, kann unser inneres Kind verletzt oder gar verstört sein, aber auch die Kraft und die Möglichkeiten innehaben, die wir als Erwachsene vielleicht vergessen haben und schmerzlich vermissen.

Genau hinschauen – dein inneres Kind kennenlernen und unterstützen

Nimm dir einmal ein altes Fotoalbum zur Hand, suche dir einen Ort, an dem du für einige Zeit ungestört bist, atme ein paar Mal tief ein und aus und blättere dann durch deine alten Kinderfotos. Vielleicht findest du ein paar Bilder von dir, als du noch ein kleines Baby warst. Bilder als Kleinkind und als Schulkind. Nimm dir Zeit und betrachte die Bilder. Was siehst du? Welche Erinnerungen kommen hoch? Denkst du an schöne Erlebnisse? Witzige, spannende, aufregende Momente? Oder kommen dir auch traurige Erinnerungen? Momente, in denen du verletzt wurdest oder in denen du dich einsam gefühlt hast? Erinnerungen, die weh tun, weil du enttäuscht wurdest von jemandem, den du geliebt hast? Lass alle Gefühle und Erinnerungen zu. Vielleicht kommen dir auch die Tränen bei manchen Erinnerungen.

Atme tief ein und aus. Schau genau hin und lass alle Gefühle zu. Erinnere dich, dass du nun erwachsen bist und nicht mehr in diesen Erinnerungen feststeckst. Versuche einmal, sie von außen zu betrachten. Was genau geschah in diesen Momenten? Wer war dabei? Wer hat was gesagt oder getan? Was hat das mit dir gemacht? Wie hast du reagiert?

Schließe nun deine Augen und lege deine Hände auf dein Herz. Verbinde dich mit deinem inneren Kind. Stell dir vor, wie es vor dir steht, vor deinem Erwachsenen Ich, und wie es dich anschaut. Was hättest du dir damals gewünscht in diesen Momenten? Eine Umarmung? Ermunternde Worte? Trost? Stell dir nun vor, wie du genau das deinem inneren Kind jetzt gibst. Umarme es, tröste es, sei da. Fühle, wie sich dein inneres Kind fallen lassen kann bei dir, weil es jetzt weiß, dass es nicht mehr allein ist. Dass du da bist. Dass du es wahrnimmst in seiner Not und seinem Kummer. Versprich deinem inneren Kind, dass du von nun an immer an seiner Seite bist. Dass es sich zeigen darf genau so, wie es ist. Dass all seine Gefühle richtig und in Ordnung sind. Umarme es noch einmal fest und dann atme noch einmal tief ein und aus. Öffne deine Augen und komme wieder im Hier und Jetzt an.

Dein inneres Kind spiegelt sich in deinem Verhalten wider

Viele negative Erinnerungen verdrängen wir über die Jahre. Versuchen, diese Erfahrungen abzuhaken. Doch tief in unserem Innern bleibt unser verletztes Kind zurück. Wenn wir dann als Erwachsene in Situationen geraten, die uns an eine dieser Erfahrungen erinnert, dann spult sich automatisch unser inneres Programm ab und wir reagieren so, wie wir es als Kind damals getan haben. Vielleicht reagieren wir bockig, vielleicht traurig und ziehen uns zurück, vielleicht werden wir sehr wütend, weil wir uns ungerecht behandelt fühlen. Nachdem du nun dein inneres Kind kennengelernt hast- erkennst du manches Verhalten, was du heute an den Tag legst, aus deiner Vergangenheit wieder? Siehst du vielleicht den Trigger, warum du in bestimmten Situationen immer wieder gleich reagierst, obwohl es unangebracht ist, du aber einfach nicht anders kannst? Vielleicht achtest du einfach in nächster Zeit einmal darauf, wenn du Gefühle wie Wut, Enttäuschung, Einsamkeit oder Verletzung empfindest. Welche Situation ging deinen Gefühlen voraus und wie hast du reagiert? Werde zur Beobachterin und verurteile dich nicht. Versuche, die Situation von außen zu betrachten und aus ihr zu lernen. Sage dir: Oh, das ist ja interessant! So verstrickst du dich nicht in deinen Gefühlen.

Dein inneres Kind will gesehen und geliebt werden

Nicht nur unser Verhalten offenbart uns die Verletzungen unseres inneren Kindes. Auch wenn wir von Selbstzweifeln und Ängsten geplagt sind, so liegen diese negativen Glaubenssätze meistens in unserer Kindheit. Wenn wir immer wieder gesagt bekommen haben, dass wir etwas nicht richtig gemacht haben, dass wir nicht schön oder intelligent genug sind, dass wir nur geliebt wurden, wenn wir uns so verhalten haben, wie es unsere Eltern wollten oder wenn wir insgesamt einfach mit wenig Liebe groß geworden sind, dann haben sich diese Erfahrungen tief in unsere Seele eingebrannt. Dann kamen wir zu der Überzeugung, dass wir nicht wertvoll und liebenswert sind. Und diese Glaubenssätze blockieren uns dann sehr oft auch noch als Erwachsene. Als wir ein Kind waren, waren wir komplett abhängig von unseren Eltern oder Erziehungsberechtigten. Wir wünschten uns nichts mehr, als gesehen und geliebt zu werden. Doch wenn dies an Bedingungen geknüpft war, haben wir nie gelernt, im Vertrauen zu leben. Dann ist unser inneres Kind misstrauisch, ängstlich, besorgt und zweifelnd. Und so wünscht es sich auch heute noch, wenn wir längst erwachsen sind, nichts mehr, als gesehen und geliebt zu werden.

Halte die Verbindung

Du hast nun eine Verbindung zu deinem inneren Kind aufgebaut. Du hast gesehen und gefühlt, in welchen Situationen es verletzt wurde, kennst seine Enttäuschungen und Ängste. Du verstehst jetzt immer besser, warum du dich manchmal so einsam und unverstanden fühlst oder so sehr an dir selbst zweifelst. Nun ist es wichtig, diese Verbindung nicht zu verlieren. Immer wenn du merkst, dass dein inneres Kind die Regie über dein Leben übernimmt, schreite liebevoll ein. Nimm es an die Hand und sage ihm, dass du nun schon groß bist und du die Verantwortung übernimmst. Sage ihm, dass es wertvoll ist und geliebt wird. Dass es genau richtig ist. Und, dass du heute entscheidest, wie du auf bestimmte Situationen reagieren möchtest. Dein inneres Kind ist dein Wegweiser und Begleiter, ein wichtiger Teil von dir. Bleibst du mit ihm verbunden, kannst du nach und nach deine alten negativen Erinnerungen überwinden und aus ihnen wachsen. Und je achtsamer du mit dir und deinen Gedanken bist, desto besser kannst du alte negative Glaubenssätze und Programme mit neuen und positiven Glaubenssätzen überschreiben. So wirst du ein ganzes Stück freier und glücklicher, spürst mehr Selbstliebe und Vertrauen in deinen Weg.

Verborgener Schatz

Doch nicht nur all die negativen Erfahrungen helfen dir, dich mehr und mehr selbst zu verstehen und zu wachsen, sondern auch die positiven Erinnerungen. Denn keine Kindheit war nur traurig, schlecht und enttäuschend. Es gab auch immer die schönen Momente, in denen wir ganz bei uns waren. In denen wir selbstvergessen gespielt haben, Abenteuer erlebt haben, geliebt und angenommen wurden. Denn wir alle kamen als zarte, wunderbare Geschöpfe auf diese Welt. Unendlich wertvoll und unendlich liebenswert. Genau richtig, so wie wir waren. Und noch bevor die Welt uns sagte, wie wir zu sein haben, was wir dürfen und nicht dürfen, was richtig und was falsch ist, wussten wir ganz genau, wer wir waren und mit welchen Geschenken wir auf die Welt kamen. Erinnere dich – was hast du als Kind besonders gerne getan? Gemalt? Gebastelt? Musik gemacht? Wobei hast du die Zeit vergessen und warst versunken im Moment? Und machst du das heute noch? Bei was hast du dich frei gefühlt und voll in deinem Element? Was wolltest du werden, als du noch klein warst? Wovon hast du geträumt? Oft vergessen wir mit dem groß werden, wer und wie wir einmal waren. Wir verlernen, im Moment zu verweilen und in einer Tätigkeit aufzugehen und fangen an uns zu verbiegen, damit wir anderen gefallen und gemocht werden. Doch all diese Schätze und Talente liegen noch immer in uns. Unser inneres Kind kann uns zeigen, wofür unser Herz einmal geschlagen hat und was wir lange verschüttet hatten. Und wenn wir auch diesen Anteil hervorholen und betrachten, dann können wir wieder so viel Lebensfreude einladen in unser Leben. Wir müssen nur genau hinhören.

Dein inneres Kind braucht deine Liebe

Es braucht sie, um zu heilen. Es braucht sie, weil es gesehen und angenommen werden möchte. Damit du frei wirst, als Erwachsene selbst zu entscheiden, wie du leben möchtest. Damit du alte negative Glaubenssätze hinter dir lassen kannst. Damit du frei bist in deinem Verhalten und nicht mehr feststeckst in alten Mustern, die dir und deinem Seelenheil schaden. Und dein inneres Kind braucht diese Liebe, damit es sich dir voller Vertrauen zeigen kann und ihr so gemeinsam deine Schätze bergen könnt, die dir helfen werden, viel mehr du selbst zu sein und genau den Lebensweg zu finden, der zu dir passt und der dich glücklich macht.

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