Selbstzweifel überwinden

Selbstzweifel überwinden

Selbstzweifel. Sie liegen wie dunkle Schatten auf unserer Seele. Trüben unsere Gedanken. Halten uns gefangen in alten Gewohnheiten, die uns schon lange nicht mehr guttun. Lassen uns weiter einem Job nachgehen, der gar nicht zu uns passt. Lassen uns in einer Beziehung verharren, aus der wir längst rausgewachsen sind oder in der wir nicht gut behandelt werden. Selbstzweifel lassen Träume, Träume bleiben. Wenn wir an uns selbst zweifeln, dann bleiben wir so häufig hinter unseren Möglichkeiten zurück, weil wir uns nicht trauen, den nächsten Schritt zu gehen. Die Gedanken vergiften unsere Seele und auch unseren Körper. Sie können uns in eine Abwärtsspirale führen, lassen uns verbittern oder in die Opferrolle fallen.

Was sind Selbstzweifel genau und woher kommen sie?

Das Wort Selbstzweifel spricht bereits für sich. Wir zweifeln an uns selbst.

  • Bin ich wertvoll? Bin ich liebenswert? Werde ich gemocht?
  • Bin ich schön? Bin ich attraktiv?
  • Bin ich intelligent? Bin ich kompetent?
  • Schaffe ich das? Bin ich gut genug? Bin ich begabt genug? Kann ich überhaupt irgendetwas?
  • Bin ich diszipliniert genug?

Wir zweifeln, dass wir mit bestimmten Dingen oder Situationen nicht fertig werden oder sie nicht schaffen. Außerdem nähren Selbstzweifel den Glauben, dass wir etwas gar nicht erst verdienen.

Häufig stammen unsere Selbstzweifel aus der Kindheit. Wenn wir nicht bedingungslos geliebt werden, sondern für Fehler kritisiert und nur für gute Leistungen mit Liebe belohnt werden, fangen wir an, an uns selbst zu zweifeln. Wir schlussfolgern, dass wir nur geliebt werden, wenn wir alles richtig machen. Wir entwickeln Angst davor, zu scheitern und dann nicht mehr gemocht zu werden. Die Angst vor Fehlern hemmt uns in unserer Entwicklung. Die vorherrschenden Normen unserer Gesellschaft tun ihr übriges. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und wer diese Leistung nicht erbringt, der wird abgehängt. Und auch das gängige Schönheitsideal fördert unsere Selbstzweifel, was unser Aussehen und unseren Körper angeht.

Interessanterweise sind vor allem Frauen von Selbstzweifeln betroffen. Während selbst mäßig attraktive oder kompetente Männer vor Selbstbewusstsein strotzen, so zweifeln gerade Frauen, die überdurchschnittlich attraktiv und intelligent sind, an sich selbst und ihren Fähigkeiten und ihrem Aussehen. Am Ende steht hinter unseren Selbstzweifeln immer das unbändige Verlangen nach Anerkennung und Liebe. Wir sind noch immer die Herdentiere aus früheren Zeiten und die Angst, allein zu sein, steckt tief ins uns allen.

„Zweifel zerstört mehr Träume, als dass es Versagen jemals könnte.“

Suzy Kassem

Folgen unserer Selbstzweifel

Das größte Problem unserer Zweifel an uns selbst ist es, dass wir uns zu sehr im Außen orientieren. Wir vergessen uns selbst und suchen nur noch die Anerkennung im Außen. Wir sind abhängig vom Urteil anderer und somit hilflos der Willkür anderer Menschen ausgeliefert. Und so:

  • Leiden unsere Selbstliebe und unser Selbstwertgefühl
  • Haben wir Angst vor Neuem und bleiben in alten Gewohnheiten hängen
  • Haben wir Angst, Fehler zu machen oder zu scheitern und nehmen neue Herausforderungen nicht an
  • Fühlen wir uns anderen gegenüber unsicher, schüchtern oder unterlegen und meiden oder verpassen deshalb Gelegenheiten, uns mit anderen Menschen zu verbinden
  • Trauen wir uns nichts zu und verpassen viele Möglichkeiten des Wachstums

Wie können wir unsere Selbstzweifel überwinden?

Wie mit so vielem, gibt es kein Patentrezept, um unsere Selbstzweifel über Nacht zu verlieren. Wir haben sie über viele Jahre in unseren Gedanken verfestigt. Je mehr wir zweifeln, desto gehemmter werden wir, was wiederum dazu führt, dass sich unsere Zweifel in unserem Verhalten spiegeln und wir oft genau das bekommen, was wir befürchten. So verstärken sich unsere Selbstzweifel mit jeder Chance des Wachstums, die wir uns versagen. Doch natürlich sind wir unseren Selbstzweifeln nicht hilflos ausgeliefert, sondern können einiges tun, um sie nach und nach aufzulösen und zu überwinden.

Die Zweifel zulassen

Ängste und Zweifel zu verdrängen führt nur dazu, dass sie in unserem Unterbewusstsein weiterwachsen und noch mächtiger werden. Deshalb hilft es, die Zweifel und negativen Gedanken erst einmal zuzulassen. Dabei ist es jedoch wichtig, sich nicht mit ihnen zu identifizieren. Meditation ist ein Weg, wie wir die Selbstzweifel zulassen können und die dazugehörigen Gefühle wirklich fühlen können. So lernen wir nach und nach, dass wir nicht unsere Gedanken sind und, dass uns negative Gefühle nicht zerstören, wenn wir sie zulassen, sondern, dass sie sich erst dann auflösen können, wenn wir sie uns wirklich ansehen.

Bisherige Erfolge anerkennen

Es ist wichtig, dass wir uns unsere bisherigen Erfolge vor Augen führen und Kraft und Selbstvertrauen aus ihnen ziehen. Ein Erfolgstagebuch ist dafür eine gute Möglichkeit. Was habe ich schon erfolgreich geschafft in meinem Leben? Was habe ich erreicht? Was habe ich mich getraut? Wozu habe ich mich, trotz Selbstzweifeln, schon einmal überwunden und war damit erfolgreich? In welchen Lebensbereichen habe ich mich positiv entwickelt? Auch kleine Erfolge im Alltäglichen aufzuschreiben hilft uns, uns unserer Kraft und Kompetenz bewusst zu werden. Wichtig hierbei ist, dass wir wieder hineingehen in das Gefühl, dass wir bei unseren Erfolgen hatten. Denn Gefühle sind mächtiger als Gedanken. Wenn wir wieder die Freude und den Stolz fühlen, die wir empfanden, als uns etwas geglückt ist, können wir diese positiven Gefühle in unserem Unterbewusstsein verankern und sie abrufen, wenn uns unsere Selbstzweifel mal wieder zu übermannen drohen.

Positives Verhältnis zu Zweifeln und Fehlern

Selbstzweifel, Fehler und Scheitern gehören zum Leben. Leider vergessen wir das häufig und denken, dass wir nicht liebenswert sind, wenn wir Fehler machen oder uns etwas nicht gelingt. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Aus Fehlern lernen und wachsen wir. Und außerdem ist niemand so hart und unnachsichtig unserem Scheitern gegenüber, wie wir selbst es sind. Oft machen uns Fehler erst so richtig sympathisch und verbinden uns mit anderen, die sich in uns selbst wiedererkennen. Deshalb ist es wichtig, dass wir ein positives Verhältnis zu unseren Selbstzweifeln entwickeln, denn wenn wir sie akzeptieren und als Teil des Großen und Ganzen sehen, nimmt uns das die Angst und wir gehen los.

Mit dem Vergleichen aufhören

Nichts lässt uns schneller mutlos und deprimiert werden, als uns mit anderen zu vergleichen. Vergleiche zermürben uns und lassen unsere Selbstzweifel wachsen. Uns mit vermeintlich perfekten Menschen zu vergleichen, führt nur dazu, dass wir uns unzulänglich fühlen und unsere Vorhaben fallen lassen, da wir schon von vornherein meinen, die Messlatte der anderen nicht zu erreichen. Dass wir nicht so gut sind, wie sie. Dass wir nicht so schön sind wie sie. Doch jeder Mensch ist einzigartig. Auch die „perfekten“ Menschen haben ihre Unsicherheiten und Fehler. Nur sehen wir diese meistens nicht, sondern sehen nur das, was die anderen uns bereitwillig zeigen. Vergleichen sollten wir uns nur mit uns selbst. Mit der Person, die wir einmal waren und die schon so vieles erreicht hat. Dann sehen wir, wofür negative Erfahrungen gut waren und was wir bereits geschafft haben.

Nicht nach der Zustimmung anderer suchen

Ja, es ist fest in uns verankert. Wir suchen nach Liebe und Anerkennung, wollen gemocht werden. Doch dabei verlieren wir uns leider zu oft selbst. Wir verbiegen uns, streben nach Dingen, die uns andere vorgeben, gehen Wege, die wir gar nicht gehen wollen. Vielleicht werden wir dann gemocht. Aber wenn wir näher darüber nachdenken, dann wird nur eine Version von uns gemocht, die andere geformt haben, nicht aber unser wahres Ich. Außerdem merken wir selbst, dass wir nicht glücklich sind mit der Person da im Spiegel, denn sie ist nicht die, die wir eigentlich sind. Wenn wir anfangen, mehr wir selbst zu sein und unabhängig von der Zustimmung anderer unseren Weg gehen, ziehen wir von ganz allein Menschen in unser Leben, die so sind wie wir, die uns genauso mögen, wie wir wirklich sind. Und genau das tut uns gut und lässt unserer Selbstzweifel geringer werden. Uns mit Menschen zu umgeben, die das Positive in dir und Anderen sehen. Die dich in deinem Sein unterstützen und dich ermutigen, deinen Weg zu gehen.

Visualisieren

Ein sehr starkes Tool auf unserem Weg zu uns selbst ist das Visualisieren. Sportler sind wahre Meister darin, ihre Erfolge und Ziele zu visualisieren. Wenn wir uns vorstellen, wie wir etwas erreichen, zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch erfolgreich meistern oder einen Vortrag halten, der die Zuschauer in seinen Bann zieht, und diese Vision immer und immer wieder vor unserem geistigen Auge ablaufen lassen, dann werden wir auch in der Realität gelassener und selbstbewusster mit der Situation umgehen und sie erfolgreich meistern. Wir stellen unser Unterbewusstsein auf Erfolg ein und sind so im Moment der Wahrheit in der Lage, unsere Kraft, unser Wissen und unsere Kompetenz abzurufen. 

Selbstzweifel hinter sich lassen

Wir sind, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt

Buddha

 

Wir sind dazu in der Lage, unsere Selbstzweifel zu überwinden. Wir müssen sie nicht ein Leben lang mit uns herumschleppen und uns von ihnen aufhalten lassen. Unsere Gedanken bestimmen unser Leben, doch wir sind nicht unsere Gedanken. Gedanken lassen sich verändern und wenn du dir selbst wieder mehr vertraust und an dich glaubst, dann wirst du deine Gedanken für dich nutzen können. Wenn wir ins Tun kommen und auch entgegen unserer Selbstzweifel auf unserem Weg weitergehen, dann werden diese Zweifel immer weniger. Und wir ein ganzes Stück freier.

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